4. Februar 2010 – Vortrag

Martin Dornis
WIRKLICHKEIT UND PERMANENZ DER KRISE – VON DER GEWALTFÖRMIGEN VERGLEICHGUNG ZUM MASSENWAHN

19:00 Uhr – in den Räumen des Subversiv e.V. (Brunnenstraße 7, U-Bhf. Rosenthaler Platz)

Die aktuelle Finanzkrise ließ nicht nur Politikern und Ökonomen das Blut in den Adern stocken. Der krisenhafte und von Anbeginn ideologische Charakter der kapitalistischen Gesellschaft wird offenkundig. Unter Linken wird plötzlich wieder Marx gelesen. Man hat sogar von einer »Lesebewegung« gehört. Aber mit Marx ist nicht nur kein Staat, sondern schon gar keine Bewegung zu machen.
Es geht vielmehr um eine rücksichtslose Kritik der bestehenden Verhältnisse.
Massenwahn und gewaltförmige Vergleichung in der Warengesellschaft: Die aktuelle Finanzkrise wird entweder hinsichtlich ihrer ideologischen Verarbeitung oder anhand der ökonomischen »Fakten« behandelt. Vor dem Hintergrund der Marxschen Wert- und Fetischkritik soll diese, auch in den meisten linkstheoretischen Analysen enthaltene Aufspaltung, in dem Vortrag von Martin Dornis problematisiert werden. Der Kapitalismus trage – so die These des Referenten – sowohl das Moment der Krise, als auch das der Ideologie, die sich in der Krise bis zum Massenmord zuspitzen kann, von Anbeginn in sich. Warum nicht der Kommunismus, sondern die nationalsozialistische mörderische Krisenlösung in der Logik der Warengesellschaft angelegt ist, soll begründet werden. Dornis wendet sich damit gegen jede geschichtsdeterministische oder sonstwie hoffnungsfrohe Vorstellung vom Sprung aus der Krise in die befreite Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund soll im Vortrag über grundlegende Zusammenhänge von kapitalistischer Gesellschaft, politisch-ökonomischer Krisen, Staat und ideologischer Verarbeitung diskutiert werden.
Was sagt die aktuelle Finanzkrise über die kapitalistische Gesellschaft?